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Tagsüber ist die große Straße, die vom Flughafen in das Zentrum von Abidjan führt, voller Leben.
Die maguis, kleine Lokale, die sich aneinander reihen, sind voller Menschen. Im Hintergrund erheben sich die Wolkenkratzer des Plateau, dem modernen Geschäftszentrum, dem Stolz der modernen Hauptstadt.
Doch in der Nacht verändert sich die Situation. Die weiten, leeren Räume, die oft schlecht beleuchtet sind, haben etwas Beunruhigendes an sich. Die Straßen haben keinen Namen, doch jeder weiß, wo die „Bache blue“ ist, vor Jahren ein bekanntes Lokal. Es brannte ab und wurde nie wieder aufgebaut, doch der leere Platz hat seinen Namen bewahrt.
Es ist nun wieder ein wöchentliches Lokal geworden, ein besonderes Lokal. Denn seit ca. zwei Monaten verabredet sich hier an jedem Freitag Abend die Gemeinschaft Sant’Egidio von Marcory mit den Straßenkindern, die in der Umgebung leben, um gemeinsam Abend zu essen.
Sie kommen, wenn es Abend wird. Ca. zwanzig Stühle werden aufgestellt, doch die Gäste zu Tisch werden mehr sein, mindestens fünfzig.
Ein reichhaltiges Abendessen wurde vorbereitet mit Reis, Fischsoße und Gemüse. Es wird für alle reichen, ja, sie legen Wert darauf, dass immer etwas übrig bleibt, so dass alle wissen, dass man so viel essen darf, bis man satt ist.
Die Gäste kommen einer nach dem anderen, sie tauchen aus dem Dunkel auf. Sie sind sehr jung, zwischen elf und zwanzig Jahren. Viele haben einen unsicheren Schritt und einen leeren Blick wie jemand, der die Schwierigkeiten des Lebens auf der Straße nur überlebt, indem er die „Droge der Armen“ inhaliert, Klebstoff oder Benzin.
Sie haben fast nichts an. Viele von ihnen sind „Kinder“ des jüngsten Bürgerkrieges. Sie gehören zu den über eine Million Flüchtlingen, die aus den vom Krieg betroffenen Provinzen im Norden und Osten der Elfenbeinküste in die Hauptstadt kamen. Wer keinen Bezugspunkt in der Stadt hat, wer seine Familie im Krieg verloren hat, der endete auf der Straße. Manch einer lebt von Hilfsmitteln, mancher versucht, durch kleine Gelegenheitsarbeiten auf dem Markt zurecht zu kommen. Die Gesten und Gesichter sich gezeichnet von Aggressivität und Angst.
Die Freunde der Gemeinschaft kennen die Namen von allen. Während sie Seite an Seite miteinander essen, wird geplaudert.
Die Gemeinschaft bedeutet für sie das Essen, aber auch die Stimme eines Freundes, ein Freund, der neben dir sitzt, der sich an deinen Namen erinnert, der dir ein Medikament oder ein Hemd mitgebracht hat. Sie bedeutet einen Platz, der für dich bereitet wurde. Und jemanden, der bei der nächsten Verabredung auf dich wartet. Der dich suchen wird, wenn du nicht da bist.
Und langsam wird das Klima froher. Es wird gesungen und getanzt. In viele Gesichter kehrt ein Lächeln zurück.
Gemeinsam mit diesen Freunden kann die Zukunft anders aussehen.
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